„Puten sind die Schafe unter den Vögeln“

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Musik: Gregor Meyle und Xavier Naidoo

Wenn Ihr uns unterstützen möchtet, entsprechende Links findet Ihr weiter unten. ————————————————————————————————————————————————————— Puten sind sanft und liebevoll, gehen Streitigkeiten aus dem Weg, aber können sich im Zweifel wehren.

Vor unserem Lebenshof kannte ich gar keinen Puten, sie waren für mich die große Überraschung, im positivsten Sinn. So geht es auch vielen Besuchern, die auf unseren Hof kommen.

Puter sind da eine andere Nummer und ich hatte ehrlich gesagt Befürchtungen Puter aufzunehmen. Sie machen die Rangordnung untereinander aus und können sich auch gegen Menschen richten.

Isfin & Tuki sind Puter, folgendes habe ich auf der Seite eines Vereins für Puten – und Perlhühner gefunden: “Die Hähne, die sich prahlend gegenüberstehen, haben stets einen hochroten Kopf, die Fleischzapfen hängen lang herunter, die Flügel werden schlagbereit angehoben und der Schwanz zum Rad gefächert. So laufen sie aufeinander zu, umkreisen sich, drücken mit den Hälsen. “

Das im letzten Satz beschriebene habe ich bei Isfin & Tuki noch nie beobachtet. Aber sie haben sich gegen unseren Herrn Gandalf gerichtet (Hahn) und da Herr Gandalf der friedlichste und freundlichste Hahn ist, den ich kenne, war er ihnen unterlegen, mit den Folgen kämpfen wir jetzt noch. Das sage ich, weil ich das gesamte Bild zeigen möchte, unsere Tiere sind sehr friedlich miteinander, soweit wir das sehen können, nicht alles ist für unser Auge sichtbar. Aber auch zwischen friedlichen Tieren gibt es Konflikte und sie agieren jeweils ihrer Art entsprechend, da kommt es zu Ungleichgewichten, das tun sie übrigens auch uns Menschen gegenüber, was der Grund dafür ist, dass ich keine Besucher zu unseren Kühen auf die Weide lasse, an die Weide schon, aber nicht zum Kuscheln. Mehrere 100 Kilo gepaart mit Hörnern und einer gewissen Grobmotorik ist keine gute Kombi mit verletzlichen Menschen. 

Was blieb von der Wildform?

Typische Verhaltensweisen unserer Puten

 

Sie sind einige Wochen alt und schon beginnen die jungen Puten mit dem Schlagen eines Rades. Es ist ein eindrucksvoller Anblick, wenn die kleinen Angeber ihr imposantes Gehabe zeigen. Neben dem Auffächern der Schwanzfedern versuchen sie sich in kleinen Schaukämpfen. Der kleine Hahn nähert sich einem anderen Tier aus der Herde und beginnt mit dem Halsdrücken. Dies sind Verhaltensweisen, die bei erwachsenen Puten der Sicherung der Stellung in der Herde dienen und zur Balz gehören. Natürlich ist es bei den Putenküken spielerischer Natur. Im Alter von etwa zwölf Wochen werden die Kämpfe aber schon heftiger. Auffallend ist dabei, dass das Abstecken der Rangordnung zwischen Hähnen und Hennen getrennt stattfindet. Dies ist ein Relikt der Wildform, bei der sich die Wege der Hähne und Hennen nach einigen Monaten trennen und sie in Geschlechtergruppen zusammenleben. Bei unseren Putenhennen spielt die Rangordnung ebenso wie bei der Wildform kaum eine Rolle, nur selten spreizt eine ältere Henne den Schwanz und tut es den Hähnen im Radschlagen gleich. Beginnt bei den Hähnen das Prahlgehabe halten die Hennen unserer gemischten Herden gebührenden Abstand. Die Hähne, die sich prahlend gegenüberstehen, haben stets einen hochroten Kopf, die Fleischzapfen hängen lang herunter, die Flügel werden schlagbereit angehoben und der Schwanz zum Rad gefächert. So laufen sie aufeinander zu, umkreisen sich, drücken mit denHälsen. Die Spannung zwischen  den Hähnen wächst. Plötzlich springt einer der Hähne den anderen an und stößt ihm mit den Füßen vor die Brust. Nun  kommt auch der Schnabel ins Spiel. Die Kontrahenten versuchen sich, am Kopf zu packen. Hat ein Hahn das Fleisch am Kopf seines Gegners mit dem Schnabel erwischt, hält er es fest und versucht den Kopf nach unten zu drücken. Durch die Schnabelattacke kann es zu Verletzungen kommen. Der schwächere Puter versucht schließlich loszukommen, um zu flüchten. Nun ist es wichtig, dass er Platz hat, um auszuweichen, denn der Stärkere will seinen Triumph auskosten und verfolgt ihn eine Weile. Kann er ihn stellen, hagelt es Schnabelhiebe.

Zurück zu den Jungputen. Die Gruppe der Küken hat in den ersten Wochen und Monaten eine starke Bindung zueinander. Hat ein Tier den Kontakt verloren, stößt es helle Pieptöne aus, um auf sich aufmerksam zu machen. Entdeckt es die anderen Jungtiere, läuft es mit heftigem Flügelschlag, oft leicht abhebend, zu ihnen. Für die Alttiere, die auf der abgetrennten Wiese daneben unterwegs sind, interessiert sich das Jungtier nicht. Diese Beobachtung erstreckt sich auf Puten, die mit der Maschine gebrütet wurden. Bei der Naturbrut ist die Henne immer der ruhende Pol, zu dem es die Küken hinzieht. Diese werden von der Henne geführt und notfalls auch verteidigt. Sie macht sich sowie ein Küken aufgeregt piept, flugs auf die Suche nach ihm, um es zur Herde zurückzuführen, beziehungsweise alle anderen Jungtiere laufen ihr nach zum versprengten Küken. Bei der Suche nach dem verlorenen Küken oder bei Gefahr werden von der führenden Henne zunächst Warntöne abgegeben. Werden diese ignoriert, reagiert das Alttier mit dem Spreizen der Flügel und die Schwanzfedern werden aufgestellt. Spitzt sich die Lage zu, geht die Henne mit Flügelschlagen, Anspringen und Schnabelhieben zum Angriff über.

Was die Grünfutteraufnahme betrifft, sind Puten schon im Kükenalter an vielem interessiert. Vor allem Brennnesseln haben es ihnen angetan. Blattwerk und Samen werden gern genommen. Das typische Brennen, das den Pflanzen den Namen gab, merken Puten nur, wenn sie mit dem Fuß auf einen Brennnesselstiel treten. Dann beginnen sie, verdutzt nach unten schauend, wild mit dem Fuß zu schnicken. Viele Putenzüchter schwören darauf, den Küken schon in den ersten Tagen feingeschnittene Brennnesseln anzubieten. Man erzählt sich von schlechten Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, dass dieses kleingeschnittene Grün in den ersten Lebenswochen neben der damals handelsüblichen Kükengrütze – fein gebrochenem Mais – als alleiniges Futter angeboten wurde und die jungen Puten sich damit gut entwickelten. Sind Puten im jugendlichen Alter, ziehen sie wie die Alttiere bereits geschickt Grassamen von den Halmen. Der Halm wird dabei unten in den Schnabel genommen und mit einem langen Hals bis oben hin durchgezogen.

Was unsere Puten von ihren wilden Ahnen auch zurückbehalten haben, ist das ständige Laufen. Sie sind den ganzen Tag auf den Beinen und in Bewegung.Legen die Puten kurze Ruhephasen ein, dann geschieht dies meist stehend, selten sitzen sie. Wird es dämmerig suchen die flugfähige Hähne und Hennen Sitzmöglichkeiten in der Höhe zum Aufbaumen. Putenhennen, die Küken führen, suchen wie ihre Ahnen in den Weiten Amerikas Deckung und Schutz am Boden.  Die Nachzucht wird gehudert, bis die Jungtiere auch Aufbaumen können. Auch das Baden im Sand haben unsere Hausputen keineswegs verlernt. Vor allem in den Sommermonaten suchen sie wie die Wildform in der Mittagszeit nach Mulden. Beliebt sind solche im Schatten unter Bäumen und Sträuchern. Die Tiere setzen sich in die Vertiefung, werfen mit dem Schnabel Staub über den Körper, schütteln das Gefieder, drehen sich dabei und wirbeln mit den Flügeln Staub auf. Die Beine bewegen sich drehend zur Seite, lockern so weiteren Boden auf. Was die Reinigung des Gefieders anbelangt, so knabbern die Tiere im Staubbad zwischen einzelnen Federschäften und ziehen die Federn durch den Schnabel, um diese so zu säubern. Übrigens: Dabei ausfallende Federn werden achtlos liegengelassen. Von Federfressen kann nicht berichtet werden. Dies ist eine Erscheinung der Intensivhaltung, die wir Geflügelzüchter nicht kennen. Wer meint, dass die Tiere bei ihrem Staubbad auch nur einen Moment unaufmerksam sind, der täuscht sich. Jede Bewegung in der Umgebung, vor allem aber am Himmel, wird bereits von den Küken genau registriert. Mit langem Hals und einem Auge nach oben gerichtet, wird jeder Vogel und jedes Flugzeug verfolgt und die Beobachtung mit hohen einem Pfeifen ähnelnden Tönen an die Artgenossen weitergegeben. Dieses Verhalten können sich Geflügelzüchter zunutze machen: Puten, die sich im gemeinsamen Auslauf gut mit Hühnern verstehen, warnen das Hühnervolk frühzeitig vor etwaigen Gefahren aus der Luft. Die Beobachtung zeigt, dass Hühner auf das Warnen der Puten erschreckt reagieren und sofort Plätze mit guter Deckung unter Büschen, dicht am Zaun oder den Stall aufsuchen. Die Puten selbst ergreifen ab einem Alter von etwa zwei Monaten bei Gefahr von oben nicht mehr die Flucht. Gespannt beobachten sie, was sich am Himmel tut. Hähne treten oft auf eine freie Fläche heraus, was Greifvögeln offensichtlich Respekt abverlangt und sie abdrehen lässt. So mutig Puten in solchen Situationen sind, so blind verhalten sie sich, wenn sie erschrecken. Laufend und fliegend flüchten sie, rennen in Zäune oder fliegen unkontrolliert in alle Richtungen.

 

Sind die jungen Puten herangewachsen, gliedern sie sich nahezu unkompliziert in die Herde der Alttiere ein. Nach wenigen Stunden ist die Rangordnung abgesteckt, die noch zuvor herrschende Aufregung vorüber. Im Spätherbst und Winter leben die Tiere nebeneinander, ohne großesInteresse am anderen Geschlechtsgenossen zu finden. Das ändert sich, wenn die Sonne wieder am Himmel steigt. Es beginnt meist im März – sofern nicht mit Licht früher das Frühjahr simuliert wird – die Balz mit dem bei Hähnen und Hennen artentypischen Geschlechtsverhalten. Zunächst machen die Herren unter sich aus, wer bei den Hennen den Vortritt hat, was nach meinen über Jahrzehnte währenden Beobachtungen auch von den unterlegenen Geschlechtsgenossen respektiert wird. Der, nennen wir ihn Haupthahn, marschiert stolz auf und ab, stellt das Gefieder auf, schlägt Rad, kollert, der Kropf füllt sich mit Luft, die pustend wieder entweicht. Ist eine der Hennen paarungsbereit, sondert sie sich von den anderen ab und nähert sich dem Gatten. Sie läuft langsam vor ihm hin und her, kommt dabei immer näher, was aussieht, als ob sie ihn umtanzt, und setzt sich vor ihm mit hocherhobenem Kopf hin. Der Hahn steigt auf und trampelt auf ihrem Rücken und den Schwingen herum. Schließlich erfolgt die Kopulation. Ein ganzes Gelege und nicht selten auch ein Nachgelege – je nach Zeitspanne bis zur wiederholten Eiablage – sind befruchtet. Diese Erkenntnis nutzten die Menschen in schlechteren Zeiten. Hier komme ich noch einmal auf die Nachkriegsjahre und den Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Der Truthahn war an Weihnachten als leckerer Braten auf dem Tisch der Familie gelandet und die Henne wurde im Frühjahr in einen Jutesack gepackt zum verbliebenen Truthahn im Ort gebracht. Es reichte die Henne vor ihm auf den Boden zu drücken und schon stieg er auf, um die Befruchtung zu vollenden.

 

Auf ein Problem muss allerdings aufmerksam gemacht werden:

Da die Hähne je nach Rasse ein stolzes Gewicht aufweisen und die Sporen sehr lang und spitz sein können, sollte man auf diese ein Auge haben.
Mit den Sporen können die Hähne die Henne erheblich verletzen. Deshalb ist es ratsam, zu spitzen Sporen etwas an Gefährlichkeit zu nehmen. Bei jungen Hähnen ist es selten notwendig einzugreifen, denn diese haben noch keine allzuspitzen Sporen. Was den Tretakt anbelangt, sind diese eher noch tollpatschig und trampeln schon mal neben der Henne.

Kennt man das Verhalten einzelner Geflügelarten, in diesem Fall der Puten, kann man daraus als Züchter nützliche Schlüsse ziehen. Dies gilt für die Gestaltung des Lebensraums der Tiere, deren Fütterung, Haltung, Sexualverhalten, die Brut und die Aufzucht. Wendet man sein Wissen an, ist es eine Bereicherung, wenn man Puten übers Jahr beobachtet und seine Freude an dieser Geflügelart hat.

 

Peter Jahn

Veröffentlicht in Geflügelzeitung 3/2015