wie alle Lebenshöfe erhalten auch wir nahezu täglich Anfragen von Menschen, die ein Tier retten möchten, in das sie sich verliebt haben, nachfolgend meine heutige Antwort auf eine aktuelle Anfrage.

Und keine Frage, ich verstehe die Motivation 😉 Denn Tiere sind unglaublich liebenswert

Hallo (Name),

ich weiß nicht, wie der aktuelle Kurs ist, aber normalerweise 120,00 € / Monat für die Arbeit und Verpflegung, dazu kommen dann Tierarztkosten, ggf. Hufschmied eben alles was anfallen könnte, was man verständlicherweise im Vorhinein nicht wissen kann. Das sind die Kosten, die die sogenannten Eigentümer der Tiere dann für 25 Jahre stemmen müsse.

So hart es klingt, ein Tier zu retten ist ein Spaziergang und ein wunderschönes Erleben, für seinen lebenslangen Unterhalt aufzukommen ist harte Arbeit und eine große Verantwortung, aber auch ein wunderschönes Erleben. 😉 Darüber machen Menschen sich aber in der Regel keine Gedanken. Ich empfehle gerne, statt Lebenshöfe zu kontaktieren und sie um die Aufnahme von Tieren zu bitten, einen groß angelegten Spendenaufruf zu machen. Über einen möglichst hohen Betrag, der schon einmal die 120,00 € pro Monat zzgl. Inflationsausgleich deckt zzgl. etwaiger Tierarztkosten, die man im Vorhinein nicht abschätzen kann. Als Beispiel, eine unserer Kühe hatte im letzten Jahr eine Euterentzündung wegen eines Insektenstiches, die Tierarztkosten für eine 2malige Visite + Medikamente betrug 430,00 €.

Diese Spendengelder könnte man auf ein sogenanntes Notaranderkonto einzahlen und an die Versorgung der Kuh koppeln, wo die Kuh lebt steht dann das zweckgebundene Notaranderkonto zur Verfügung. Ich habe noch nicht erlebt, dass das jemand, der bei uns angefragt hat und dem ich diese Empfehlung gab, gemacht hätte, deshalb kann ich nicht von diesbezüglichen Erfahrungen berichten. Ich bin jedoch sicher, dass man mit dem entsprechenden finanziellen Polster viel leichter einen Lebensplatz auf einem Lebenshof finden würde, zwar nicht bei uns, weil wir so oder so voll sind. Aber am Geld und dem damit verbundenen Verantwortungsbewusstsein der Lebenshöfler scheitern häufig die Vermittlungen. Denn die 120,00 € decken leider nicht alle Kosten. Eine Kuh wird zwischen 20 – 25 Jahre alt, sie kann krank werden im Kleinen s. oben, aber es können auch Klinikaufenthalte erforderlich seien.

Die meisten Menschen sind an dieser Stelle sehr erschrocken und sagen, nein das kann ich nicht, sie haben sich i.d.R. darüber keine Gedanken gemacht, sich aber in ein Tier verliebt, dass sie gerne retten möchten. Ich weiß, dass es auch viele Menschen gibt, die glauben, dass die Tiere auf einem Lebenshof staatlich unterstützt werden, dass ist nicht der Fall. Die Kosten, die nicht durch eine Patenschaft gedeckt sind, tragen die Lebenshofbetreiber persönlich in der großen Verantwortung, was tun, wenn kein Geld mehr da ist.

Patenschaften werden häufig nach einiger Zeit beendet, weil z.B. die Lebensumstände sich geändert haben und man Geld sparen muss / möchte, Patenschaften sind freiwillig und keine lebenslange Verpflichtung.
Bei einem Bullen stehen ganz am Anfang auch noch die Kosten der Kastration, wie hoch die sind, hängt vom Verfahren und den Bedingungen ab. Versicherungen fallen an, denn wenn eine Kuh ausbricht aus der Weide, könnten dadurch hohe Schäden entstehen. Zäune müssen gebaut und gewartet werden, dazu melden sich zwar gerne Helfer an, aber kurz vorher oft wieder ab, wegen Rücken 😉 Das ist nicht schlimm und Lebenshöfler haben damit nach einigen Jahren ihre Erfahrung und können damit umgehen, sie planen einfach so, dass sie es auch alleine und mit zuverlässigen Helfern hinbekommen. Im Zweifel müssen sie Firmen mit den Arbeiten beauftragen und das natürlich auch finanzieren.

Wir hören nahezu täglich, dass Menschen sich in ein Tier verliebt haben und es retten wollen, um dann die Verantwortung incl. des Kostenrisikos und des Zeitengagements (Stichwort 24 Stunden Bereitschaft) anderen zu übertragen. Das ist ein Problem unserer Zeit, Eigenverantwortung zu übernehmen und mehr zu tun, als Email und Posts zu schreiben.

Das alles, was ich geschrieben habe ist abschreckend? Dann ist dies ein guter Moment zu entscheiden, wieviel Verantwortung man für den wundervollen Moment der Rettung bereit ist zu übernehmen. Denn die Rettung des Tieres, in dass Du Dich verliebt hast, ist nach wie vor möglich, sie ist nur nicht so einfach, wie Du es Dir vorgestellt hast.

Ich bin den Menschen die uns kontaktieren übrigens überhaupt nicht gram, woher sollen sie es wissen und das mit der Eigenverantwortung, das ist Wachstumpotential. 😉

Und am Ende bleibt immer noch die Möglichkeit, selbst einen Lebenshof zu gründen und trotz aller Arbeit, sich unglaublich bereichert zu fühlen, so zumindest geht es mir, ich möchte mit niemandem tauschen.

Liebe (Name), ich weiß, dass ist für Dich vermutlich harter Tobak, die Mail ist jetzt auch ausführlicher geworden, weil ich den Text nutzen werde (ohne Deine Namen natürlich) um auf Telegram und unserer Webseite darauf aufmerksam zu machen.

Lass es auf Dich wirken und prüfe, wie wichtig es für Dich ist, diesem Tier das Leben zu retten, sei Dir der Verantwortung bewusst, wir sagen in aller Regel nein, wenn Anfragen kommen, denn die Konsequenzen wären ansonsten eine totale Übeforderung, die im Animalhording endet. Aber wenn Du Dich dafür entscheidest, Dich für diesen kleinen Bullen einzusetzen, dann sei Dir bewusst, es ist absolut möglich ist, mit dem entsprechenden Engagement, es ist immer eine Frage der Prioritäten.

Wenn Du noch Fragen hast, melde Dich gerne.

Herzliche Grüße

Sabine