Lebenshof = Streichelzoo?

Es wird langsam, Merry traut sich mutig vorne weg, Das ist nicht selbstverständlich, dass sie uns aus der Hand isst. Pippin fehlt dazu noch Vertrauen oder Mut, was es genau ist, weiß ich natürlich nicht.

Im November 2018 zogen die drei bei uns ein, SAM, PIPPIN & MERRY. Sie unterscheiden sich in der Interaktion mit uns Menschen deutlich von allen anderen Tieren hier am Hof. Die Schafe kommen angelaufen und besonders Bilbo freut sich über Streicheleinheiten, Aber auch die anderen Schafe suchen gerne den Kontakt zu Menschen. Ähnlich ist es mit unseren beiden Kühen Tessa und Lotta, und auch Rosie und Frodo, sind interessiert an einer Kontaktaufnahme zu Menschen. Unsere Hühner und Puten sind ganz oft in unserer Nähe zu finden, wenn wir über das Gelände gehen.

Anders die Gänse, besonders SAM, kommt man ihm zu nah, macht er seinem Unmut Luft und verschafft sich deutlich Gehör, im Zweifel geht er zum Angriff über.

Viele Menschen die unserem Hof folgen oder sogar schon hier waren, erinnern sich an SAM. Dabei wird deutlich, dass die Sympathie am stärksten den Tieren zu fällt, die sich besonders gerne streicheln lassen.

Sehr häufig sind Anfragen zu einem Besuch auf dem Hof damit verbunden, dass die Menschen sagen, ich möchte so gerne vorbeikommen und Kühe, Schweine, Schafe streicheln.

Bei jeder Hofführung spreche ich darüber, dass wir mit unseren Tieren auf Augenhöhe leben, wenn alle Beteiligten es möchten, können die Tiere gerne gestreichelt werden, wenn sie es nicht möchten, ist das zu akzeptieren. Weil ein Lebenshof kein Streichelzoo ist, die Tiere müssen keine Leistung erbringen.

Jetzt werden viele Leser*innen sagen, das ist selbstverständlich, ist es aber leider nicht, denn es schließt für viele Menschen das Streicheln nicht ein.

Vielleicht weil wir denken, das ist doch was gutes und darüber kann das Tier sich doch freuen, SAM macht deutlich, dass dem nicht so ist.

Jetzt könnte Mensch sagen ja ist doch o. k., dann lass ich ihn einfach, aber ich merke auch hier wieder, wie stark Sprache ist, denn die Wahrnehmung und Einschätzung der Menschen zeigt sich bei Sätzen wie: „Der ist aber ganz schön aggressiv“ ist er das?

Ist es aggressiv, wenn mensch oder tier auf die Unterschreitung seiner oder ihrer Individualdistanz, mir Warnung und ggf. Abwehr reagiert?

Aber er warnt ja nicht, höre ich dann auch schon mal, aber doch, das tut er, aber in seiner eigenen Sprache. Warum denken wir Menschen, dass Tiere in unserem Handeln, eine gute Absicht erkennen müssen, warum denken wir, dass sie in einer für uns verständlichen Sprache reden müssten?

Mit Ungeduld nehmen wir uns selbst die Chance auf eine echte Verbindung, gerade wir, die wir für eine tierleidfreie Welt werben und uns einsetzen, sollten voran gehen.

Was wir tun können? Beobachten, im ehrlichen Bemühen, das Gegenüber kennen zu lernen.

Nicht von unseren persönlichen Bedürfnissen ausgehen, sondern sehen und fühlen, was die Tiere brauchen. Angebote machen und nicht ungeduldig, enttäuscht, frustriert, traurig oder wütend zu sein, wenn die erhoffte Reaktion ausbleibt.

Ihr könnt sicher sein, Tiere meinen es nicht persönlich, solange Du persönlich ihnen keinen Schaden zugefügt hast. Sie lernen und wenn sie die Erfahrung machen, dass du es gut mit ihnen meint, sie dir vertrauen können und du dich darum bemühst, ihre Sprache zu lernen, dann werden sie sich dir gegenüber öffnen, aber auf ihre Weise.

Wenn du die Geduld dazu hast, wirst du sehr viel über Dein Gegenüber lernen, aber auch über dich selbst.

Und dann kannst du sie streicheln?

Kann sein, kann auch nicht sein, darum geht es auch nicht. Es gibt keine Abkürzung, keine Überholspur um mit anderen Lebewesen in Kontakt zu kommen um eine Verbindung herzustellen, es braucht Vertrauen und das gewinnt man nicht innerhalb weniger Sekunden, vielleicht gewinnst du es auch nie, aber ist das ein Grund, es gar nicht erst zu versuchen?

Sind wir uns einig, dass die Tiere uns nichts schulden?

Wir lernen täglich dazu, auch und gerade von SAM, ich bin sehr glücklich, das es ihn in unserem Leben gib